Partnerfeuerwehr der Stadt Gartz (Oder) nimmt neue Sirenenanlage in den Betrieb

Moderne Sirenenanlagen hält man in Polen für unverzichtbar. Symbolfoto: OSP Chwarstnica Moderne Sirenenanlagen hält man in Polen für unverzichtbar. Symbolfoto: OSP Chwarstnica

Chwarstnica (Gryfino)/Gartz (Oder). (ASC) Chwarstnica (zu dt. Klein Schönfeld) ist ein Dorf in der Landgemeinde Gryfino (Greifenhagen) im Powiat Gryfiński (Greifenhagener Kreis) in der polnischen Woiwodschaft Zachodniopomorskie (Westpommern). Einwohnerzahl knapp 400. Unweit der deutsch-polnischen Grenze und zum Brandenburger Landkreis Uckermark gelegen. „Da ist die Welt noch in Ordnung,“ könnte man sagen. Auch das die Presse übers Dörfchen berichtet, es kommt wohl eher selten vor. Mit diesem Beitrag soll es sich ändern, im positiven Sinne.

Die Freiwillige Feuerwehr von Chwarstnica (LINK zu facebook) pflegt seit vielen Jahren eine Partnerschaft – mal mehr mal weniger, wie es bei deutsch-polnischen Beziehungen auch in der großen Politik ist – mit den Kameradinnen und Kameraden der uckermärkischen Kleinstadt Gartz (Oder). 12 Kilometer Luftlinie entfernt.

Aus anfänglichen Treffen zu gemeinsamen Übungen sind inzwischen echte Freundschaften entstanden. Auch wenn es nach wie vor so einige Mentalitätsunterschiede gibt und nun sogar auch in der technischen Ausstattung.

Denn Chwarstnica hat jüngst etwas , wovon die Feuerwehrleute in der 2.300 Einwohner zählenden Stadt Gartz an der Oder und den angehörigen Kommunen des Amtsbereiches bislang nur träumen können: eine hochmoderne und digital ansteuerbare sowie autark laufende Sirene. Zur Einsatzalarmierung und Bevölkerungswarnung gleichermaßen geeignet. Doch nicht nur „heulen“ sogar auch „sprechen“ kann das neue Schmuckstück am Gerätehaus.

Wie die polnische Partnerfeuerwehr plötzlich in den Fokus rückt

Am 10. September 2026 fand in der BRD der inzwischen sechste Warntag statt. Zu dieser Gelegenheit werden bundesweit alle bespielbaren Warnmittel getestet. Von der Handyalarmierung über Hinweise im Rundfunk und Fernsehen bis hin zur Funktionalität von Sirenen. Doch die derzeit einzige Sirene in der Stadt Gartz blieb stumm. Ein Relikt aus noch aus der DDR-Zeit. Von 25 bestehenden „DDR-Sirenen“ im kompletten Amtsbereich sprach nur eine einzige an, ließ sich recherchieren.

Der Landkreis Uckermark und auch das Innenministerium Brandenburgs sehen nun Handlungsbedarf, wie die örtliche Presse mit Beiträgen vom 17. (LINK) und 20. (LINK) September 2026 berichtete.

Doch während man in der Uckermark und sicherlich auch anderorts in der BRD noch über Machbarkeit, Zuständigkeit und Finanzierung philosophiert, da hat man im Dörfchen Chwarstnica jüngst Tatsachen geschaffen!

Die neue Sirene bei der polnischen Partnerfeuerwehr sprach sich in Gartz unter den Feuerwehrleuten wie ein Lauffeuer herum (auch Dank einer vorbildlichen Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei den Nachbarn). Nach dem Motto: „Die haben was, was wir nicht haben!“

Und genau dieser Umstand könnte einmal mehr die Fortschrittlichkeit von Polen im Bevölkerungsschutz verdeutlichen. Denn Sirenen gehören dort, neben der “SMS- Alarmierung” bei Einsätzen, Katastrophenlagen oder Wettergefahren seit Jahren zum festen Portfolio. Selbst via Social Media (z.B. facebook, instagram) werden verlässlich Warnungen übermittelt.

Wehrführer und Feuerwehrkommandant sind stolz auf ihre Technik

Die neue Sirenenanlage am Giebel des Gerätehauses. Foto: OSP Chwarstnica
Die neue Sirenenanlage am Giebel des Gerätehauses. Foto: OSP Chwarstnica

Polen.pl fragte einmal bei Andrzej Wiśniewski nach. Er ist Kommandant der Freiwilligen Feuerwehren in Regierungsbezirk Gryfino (Kommandant Gminny OSP Gminy Gryfino).

Andrzej Wisniewski. Foto: privat.
Andrzej Wisniewski. Foto: privat.

„Für Chwarstnica haben wir 49.500zł (umgerechnet 11.500€) in die neue Anlage gesteckt. Für weitere neun Standorte im Kreis Gryfino ist Geld bereitgestellt und eine Modernisierung erfolgt derzeit. Die Anlagen werden digital angesteuert. Sowohl Feuerwehr, der nationale Katastrophenschutz als auch das Gemeindeamt können sie aktivieren.“ Und er ergänzt: „Wenn der Strom einmal ausfällt, dann springt eine Hochleistungsbatterie ein. Aber da gibt es auch noch andere Möglichkeiten, zum Beispiel Solar. Die Sirene ist seit dem 22. September 2026 im Regelbetrieb.“

Krzysztof Kopija, in seiner Funktion als Wehrführer von Chwarstnica kann den Ausführungen nur beipflichten und erklärt gegenüber dieser Redaktion: „Für uns haben Sicherheit, Schutz und Warnung der Einwohner seit vielen Jahren höchste Priorität. Die Sirenen in Gryfino und allen angeschlossenen Kommunen werden kontinuierlich modernisiert und ausgebaut. Die Installation einer neuen elektronischen Sirene am Feuerwehrhaus der Freiwilligen Feuerwehr Chwarstnica wurde von der Gemeinde Gryfino in Auftrag gegeben und finanziert. Dafür bin ich sehr dankbar. Aus Sicht unserer Einheit ist die Auslösung der Sirene ein wesentlicher Bestandteil in der Erreichbarkeit der Kräfte und der Bevölkerung, welche es zu schützen gilt. Unsere Sirene ist somit nicht nur wichtig für die Alarmierung der Feuerwehrleute, sondern moderne auch Teil eines umfassenderen Warn- und Alarmsystems für die Bevölkerung in Polen. Das System ist mit Lösungen ausgestattet, die den Betrieb auch bei Stromausfall gewährleisten.“

Und ergänzt mit der Bitte um Verständnis: „Aufgrund der Beschaffenheit von kritischen Sicherheitsinfrastrukturen geben wir keine detaillierten Informationen zu den technischen Lösungen, Kommunikationsmethoden, Steuerungsmethoden oder Sicherheitsmerkmalen des Systems, wie von der Redaktion angefragt.

Was uns der Blick zu den polnischen Nachbarn einmal mehr aufzeigen kann

Die moderne Sirenentechnik ist sicherlich nur ein klitzekleiner Baustein im System des Wandels vom „PRL-Staat“ – also der Volksrepublik Polen bis 1989 – hin zu einer sich transformierenden Wirtschaftsmacht in der Europäischen Union. Doch zeigt sie auf, die mitunter berechtigten Sorgen, Nöte und Wünsche nach Schutz und Verlässlichkeit, nicht zuletzt durch mögliche Kriegsszenariern hervorgerufen, weden ernster genommen als hierzulande und scheitern offensichtlich weder am Geld noch an Bürokratie oder Kompetenzgerangel. Schön!

INFO

Die Freiwilligen Feuerwehrleute im Kreis Gryfino erhalten für ihr Ehrenamt derzeit 25 zl (ca. 6€) pro Einsatzstunde. 10zl (ca. 2,30€) pro Übungsstunde. Wobei jede Kommune ihre eigenen Beträge festlegen kann.

Für 20 Dienstjahre gibts für Freiwillige Feuerwehrfrauen (bei den Männen nach 25 Jahren) einen lebenslangen Rentenzuschlag in Höhe von 288zl (ca. 67€) .

Das Einstiegsgehalt in den hauptberuflichen Feuerwehrdienst fängt derzeit bei 6.500zl (ca. 1512€) an.